Kirchen

St. Andrea, Chamues-ch
Unter den gotischen Kirchen des Engadins zählt die alte Dorfkirche von Chamues-ch dank ihrer Gesamtanlage und ihrer gut erhaltenen Ausstattung zu den bedeutendsten Bauwerken. Die ältesten Teile, die unteren Stockwerke des Turms sowie die Nordwand der heutigen Kirche, stammen aus dem 13. Jahrhundert und gehören somit noch der romanischen Epoche an. Um 1470 erfolgte ein erster gotischer Umbau. Das Schiff wurde gegen Süden hin vergrössert und ein im Grundriss quadratischer Chor ersetzte den romanischen. Bereits kurze Zeit danach, im Jahre 1505, erhielt die Kirche durch den zweiten, entscheidenden Umbau ihre heutige Gestalt. Der Baumeister Bernhard von Puschlav, auf den auch die Kirchen von Zuoz, Scuol, Ramosch, Tschlin und S. Gaudenzio oberhalb Casaccia zurückgehen, vergrösserte den Chorraum, indem er den Chorbogen um über einen Meter weiter ins Schiff hineinzog. Der romanische Turm erhielt zwei Obergeschosse und den charakteristischen Spitzhelm.


Barockkirche La Punt
Von gänzlich anderem Charakter als die Kirche St. Andrea ist das Gotteshaus von La Punt. Aufgrund seiner originellen Chorturmanlage mit dem Zwiebelhelm wird es oft «Tirolerkirchlein» genannt. Die 1680 erbaute und für Engadiner Verhältnisse sowohl aussen wie innen reich dekorierte Barockkirche steht auf engem Raum zwischen zwei herrschaftlichen Häusern. Im Jahre 1799 wurde die Kirche gemäss einer Inschrift im Chor bei Kämpfen zwischen Franzosen und Österreichern leicht beschädigt.
Betritt man von der Strasse her den malerischen Kirchhof, so fällt besonders die reich gestaltete und farbig gefasste barocke Fassade auf. Wandpilaster mit toskanischen Kapitellen, ein originell marmoriertes Gebälk und schwungvolle Voluten (spiralförmige Einrollung am Kapitell ionischer Säulen) verleihen der Fassade eine vornehme Repräsentanz.

Auch das Innere erstaunt bei näherer Betrachtung. Die Fülle an Details ist für eine reformierte Kirche ungewöhnlich. Pilaster mit ionisierenden Kapitellen bestimmen das Schiff, das im Grundriss nicht quadratisch, sondern achteckig ist. Die Gewölbe von Schiff und Chor zieren reich bemalte Medaillons aus Stuck. In den Akanthusranken des Gebälks entdeckt man fünfzehn Engelsköpfchen. Ein ganzer Engelsreigen singt also zusammen mit der versammelten Gemeinde.